
Ein Interview mit dem kubanischen Künstler Papucho
Es freut mich sehr, dass der Künstler Papucho sich die Zeit genommen hat, ein paar Fragen zu beantworten zu seiner Malerei, seinem Herkunftsland Kuba und seiner Zeit im Buena Vista Social Club. Ich begrüße heute in unserem Interview Papucho...
1. Ich hab ein Lieblingsbild. Ich denke, es heißt "die Liebenden". es zeigt ein eng umschlungenes Paar. Was hat Sie zu diesem Bild inspiriert?
Ich vermute das Bild die Sie meinen ist: „Traumhaft“ (man findet bei Figürliches Motive)
Normalerweise habe ich für meine Frau das Bild gemalt., anstatt eine Geschichte zu schreiben, die unsere Liebe beschreibt, Ich werde nur sagen, dass dieses Gemälde die Mischung oder die Verbindung zwischen meiner Frau und mir bedeutet.
2. Der frühere Besitzer der Galerie 64 berichtete mir zu dem Zeitpunkt, als Ihre Bilder dort ausgestellt wurden, dass Sie Teil der Gesellschaft des Buena Vista Social Clubs in Kuba waren. Wie war das Leben zu dieser Zeit?
El „Social Club de Buenavista“ wurde in 1945 gegründet, damals es Schwarze leute verboten war, viele Clubs zu betreten, in denen nur Weiße eintraten. Also, dies war ein Club, in dem Schwarze nur Zugang hatten. Es gab nicht nur Veranstaltungen, Treffen und Partys. Schwarzen wurde auch einige Sport, beigebracht, oder einen Beruf zu erlernen.
Ich weiß nur wenig über diese Geschichte, meine Generation wurde mit der Revolution von Fidel Castro geboren. Leider wurde alles, was nach Unabhängigkeit roch, abgeschafft. Mein Beitrag zu den Überresten dieses Clubs war nur künstlerisch, Ich erfuhr davon, als ich von einer Gruppe deutscher Studenten, die nach Geschichte suchten, kontaktiert wurde, um bei der Wiederherstellung des Clubs zu helfen. Danach haben sie versucht, den Namen des Clubs zu nutzen, um davon zu profitieren. Sie nannten es sogar kommerziell, als sie eine erfolgreiche CD nannten: "Buenavista Social Club"
3. Wie genau sah das Leben im Buena Vista Social Club aus?
Derzeit ist der Club ein Familienheim, In dem Hof, in dem früher die großen Partys stattfanden, gibt es jetzt ein Fitnessstudio, oder zumindest habe ich so aufgehört, es zu sehen, seit ich vor ein paar Jahren in Deutschland gelebt habe. Diejenigen, die den echten Social Club lebten oder kannten, sind fast alle gestorben.
4. Ihre Bilder sind sehr farbenfroh, fröhlich, optimistisch. Das Leben in Kuba war aber geprägt von Armut, Einschränkungen, Entbehrungen und einer strengen Diktatur Fidel Castros. Wie passt das zusammen?
Kunst ist etwas, das von innen kommt. Etwas, das man träumt und will. Es gibt auch böse oder schreckliche Träume, Aber davon haben wir in den Nachrichten genug. In meinem Fall drücke ich aus, was ich gerne hätte, ich sende Emotionen aus, die die Fantasie beleben. Selbst wenn die Realität traurig ist, ist es besser, das Gute in unangenehmen Dingen zu sehen.
5. Wie erklären Sie sich Ihre Farben auf dem Hintergrund der politischen Situation, d.h. Ihrer politischen, kubanischen Herkunft?
Die Farben haben nichts mit der politischen Situation zu tun, aber ich muss sagen, dass es in einer totalitären Diktatur unmöglich ist, Kunst oder andere menschliche Wünsche zu entwickeln.
6. Wie kam es, dass Sie als geborener Kubaner ausgerechnet nach Bremen kamen?
Das ist eine Geschichte, die ich noch nicht erzählt habe, Nehmen wir an, die Liebe im Allgemeinen hat mich dazu gebracht, meine wunderschöne Insel von außen besser zu sehen, die Liebe zu jenen Ideen und Moralvorstellungen, die mit Beginn der Castro-Revolution verloren gingen.
7. Wir haben ja in unserem Land die Erfahrung mit einem geteilten Deutschland gemacht. Die damalige DDR hat sch dann als nicht praktikabel erwiesen, ist damals an der Realität gescheitert. Es gibt aber viele Bürger der damaligen DDR, die die DDR damals gelobt haben und meinten, dass die Gleichstellung von Mann und Frau, die berufliche Laufbahn, besonders von Frauen, die soziale Absicherung der Alleinlebenden in der damaligen DDR besser waren als heute. Auch spielte Konsum und materielle Dinge keine so große Rolle, FReundschaften und Beziehungen standen eher im Mittelpunkt. Viele litten und leiden in der BRD an einer gewissen emotionalen Kälte. Würden Sie Ihre Situation in Kuba ebenso beschreiben?
9. Wir hatten auch das Phänomen, dass zwei so unterschiedliche Phänomene, ein sehr freies Land und eines, in der die Menschen nicht einmal reisen durften, in einem Land, nur durch eine Mauer getrennt, existierten. Sie hatten in Kuba Insel unter dem Regime Fidel Catros, umringt von demokratischen Ländern, in denen die Menschen sehr viel freier leben, eine ähnliche Situation. Wie war das für Sie?
Ich glaube, dass jedes kommunistische Regime versucht hat, seine Bewohner in eine utopische Blase einzuschließen, In meinem Fall war es wie bei vielen anderen Kubanern schwierig, aus dieser Blase herauszukommen. Aber die Wahrheit ist, dass es in Kuba seit mehr als sechs Jahrzehnten immer noch eine kommunistische Diktatur gibt, die weiterhin versucht, die Familien und Freunde, die innen und außen leben, durch Doktrin und Unterdrückung zu trennen.
10. Wann und wo ist Ihre nächste Ausstellung?
Wir leben in einer Zeit des ständigen Wandels ... Mit der Corona-Virus-Pandemie hat sich unsere Lebensweise radikal verändert Es ist nicht mehr möglich, offen auszustellen, in groesse veranstaltungen oder Kunstmärkte teilnehmen. Also das ist eine gute Zeit zu kreativität.
Wir danken Papucho recht herzlich für das Gespräch!
Eine Auswahl der Bilder sind in unserer Galerie La Vie zu sehen und zu bestellen unter 0151-71843173 oder unter franzsonja@gmx.de